Berlin, Sommer 2007. Ich stand kurz vor dem Ende meiner Ausbildung bei der Firma Dämmisol und machte mir, wie die meisten Azubis, so meine Gedanken, wie es für mich weitergehen sollte. Dabei wandte ich mich an die Ausbildungsverantwortliche des Mutterkonzerns. Auf meine Frage, was es denn im Unternehmen für Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung gäbe, schlug sie mir den sogenannten EX-AZUBI-POOL vor.
Dabei wird das Prinzip eines gewöhnlichen Stellenpools genutzt. Bedingung war jedoch von Anfang an bundesweite Mobilität. Im Gegenzug wurde mir eine bezahlte Heimfahrt alle drei Wochen und die Unterkunft vor Ort versprochen. Nun war ich als fast fertiger Kaufmann so ungebunden wie man es nur sein kann und nahm meine Chance wahr, im Konzern vermittelt zu werden. Nach einigen Telefonaten mit der Ausbildungsleiterin in Frankfurt stand dann auch mein erstes Ziel fest: Recklinghausen im Ruhrpott.
Berliner Stadtkinder kann man mit dem Bild, das sich mir vor Ort bot, nun wirklich nicht aus der Reserve locken. Egal wohin ich blickte sah alles irgendwie nach Industrieeinöde aus. Stahlwerke, Schrotthändler, Gleisanlagen, Autobahnen, Gebrauchtwagenhändler und eine Anstalt für zerstörungsfreie Materialprüfung umgaben mich. Zwar waren meine Kollegen dort allesamt sehr nett und die Stimmung passte auch, aber sobald ich aus der Firma kam, fragte ich mich, was ich da eigentlich wollte. Auf keinen Fall da bleiben! Was folgte waren viele Telefonate mit der Ausbildungsleiterin, welche sich unglaublich bemühte, eine Stelle für mich im Konzern zu erhaschen. Dies sollte ihr auch gelingen.
Nach knapp drei Monaten gab es endlich eine Stelle in Berlin. An einem meiner Besuchswochenenden in der Hauptstadt traf ich mich mit dem damaligen Niederlassungsleiter in Potsdam zum Frühstück und zwei Wochen später konnte ich in der Berliner Niederlassung Johannisthal anfangen. Nun war ich wieder da, wo ich sein wollte: in Berlin, meiner Heimat. Leider kam es nicht zu einer Festanstellung. Es wurde erneut die Suche nach einer Stelle aufgenommen, während ich in Berlin noch meine Arbeit zu Ende brachte.
Diesmal ging es jedoch schneller. Nach wenigen Tagen kam die Nachricht, bei Raab Karcher in Darmstadt sei eine Stelle frei. Ich wurde zu einem Gespräch mit dem Niederlassungsleiter und dem Vertriebsleiter Ausbau in Frankfurt eingeladen. Diese Gelegenheit nutzten die Ausbildungsleiterin und ich auch direkt einmal für ein persönliches Gespräch. Nach einer Rundfahrt durch Darmstadt, was schon viel mehr meinen Vorstellungen entsprach als Recklinghausen, und einem Rundgang durch die Niederlassung, fuhr ich wieder zurück nach Berlin und entschied mich nach ein paar Tagen Bedenkzeit für Darmstadt. Im Februar 2008 nahm ich meine Arbeit in Darmstadt auf. Die Kollegen empfingen mich sehr herzlich und so vergingen viele zufriedene Wochen. Ende April lief mein Vertrag im EX-AZUBI-POOL aus und das Ziel einer Festanstellung war tatsächlich erreicht! Mein Niederlassungsleiter überreichte mir einen unbefristeten Arbeitsvertrag.
Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich es gewagt habe, ins Ungewisse aufzubrechen. Ich habe relativ weit über den Tellerrand meiner Stadt schauen können, habe neue Gegenden und nette Menschen kennen gelernt und inzwischen kann ich sogar einigermaßen hessisch reden. Meiner Berliner Schnauze bin ich dennoch treu geblieben. Außerdem können sicherlich nicht alle Azubis von sich behaupten, nach der Ausbildung nahtlos in eine Festanstellung übergegangen zu sein. Dank des Pools kann ich nun auf einen lückenlosen Werdegang zurückblicken und meine Eltern sind auch glücklich, dass ihr Sohn in einem großen Konzern eine feste Anstellung hat. Man kann es vielleicht herauslesen und auch ich kann versichern, dass auf die Wünsche der Teilnehmer Rücksicht genommen wird, denn schließlich soll das Projekt ein Zugewinn für alle Beteiligten sein.
Wer also plant, seine Ausbildung mit guten Ergebnissen abzuschließen, der sollte sich auch über Mobilität und neue Wege Gedanken machen. Denn der Ex-Azubi-Pool ist eine echte Alternative, wenn die ausbildende Niederlassung einen nicht direkt übernehmen kann.
