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Welche Steuerklasse nach der Heirat sinnvoll ist, wenn nur einer arbeitet

Nur einer verdient nach der Hochzeit? So wirken die Steuerklassen 3 und 5 oder 4 auf Ihr Netto und warum die Jahressteuer am Ende gleich bleibt.

8 Min. Lesezeit Von Jana Kessler
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Die Hochzeit ist gefeiert, und mit dem ersten Gehaltszettel danach kommt die Frage: Welche Steuerklasse nach der Heirat ist sinnvoll, wenn nur einer arbeitet? Ich erkläre, was die Kombinationen 3/5 und 4/4 mit Ihrem monatlichen Netto machen, warum die Steuer fürs ganze Jahr am Ende trotzdem gleich ausfällt und was sich in den nächsten Jahren ändern könnte.

Nach der Hochzeit: Welche Steuerklasse sinnvoll ist, wenn nur einer arbeitet

Nehmen wir ein Paar, wie es viele gibt: Er arbeitet Vollzeit als Elektriker, sie ist nach dem Umzug in eine neue Stadt noch auf Jobsuche und hat im laufenden Jahr kein Einkommen. Nach der Trauung meldet das Standesamt die Eheschließung an das Finanzamt, und beide landen automatisch in Steuerklasse 4. Auf seinem Gehaltszettel ändert sich dadurch nichts, denn Steuerklasse 4 behandelt ihn beim monatlichen Lohnsteuerabzug genauso wie vorher Steuerklasse 1.

Genau hier liegt die Stellschraube. Wer nach der Hochzeit nichts unternimmt, verschenkt kein Geld auf Dauer, aber er leiht es dem Finanzamt bis zur nächsten Steuererklärung. Mit einem Antrag lässt sich die Kombination auf 3 und 5 umstellen. Der Verdiener kommt in Klasse 3, der Partner ohne Lohn in Klasse 5 — die für ihn mangels Gehalt keine Wirkung hat.

Zur Einordnung hilft ein Blick auf alle Lohnsteuerklassen in Deutschland. Es gibt sechs davon:

SteuerklasseFür wenBesonderheit
1Ledige, Geschiedene, dauerhaft GetrenntlebendeGrundfreibetrag einfach
2Alleinerziehendezusätzlich Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
3Verheiratete, meist der Partner mit dem höheren EinkommenGrundfreibetrag doppelt
4Verheiratete mit ähnlichem Einkommenwie Klasse 1, optional mit Faktor
5Verheiratete, Partner von Klasse 3kein Grundfreibetrag
6Zweit- und Nebenjobskeine Freibeträge

Unterm Strich: Für ein Paar mit nur einem Einkommen kommen praktisch zwei Varianten in Frage, 3/5 oder 4/4.

Steuerklassenkombination 3 und 5: Der Klassiker für Alleinverdiener

Die Kombination aus Steuerklasse 3 und 5 wurde für Ehen gebaut, in denen einer deutlich mehr verdient als der andere. Für Einverdiener-Ehen ist sie der Normalfall. Der Grund liegt im Grundfreibetrag — also dem Teil des Einkommens, auf den keine Einkommensteuer fällt. In Klasse 3 berücksichtigt der Arbeitgeber beim Lohnsteuerabzug den Grundfreibetrag beider Partner, in Klasse 5 dafür gar keinen.

Wichtig ist dabei: Der doppelte Freibetrag ist nur ein Teil des Effekts. Die Lohnsteuertabelle für Klasse 3 bildet näherungsweise den Splittingtarif ab, der für Ehepaare in der gemeinsamen Steuererklärung gilt. Dadurch fällt auch die Steuerprogression milder aus. Wie viel das in Euro ausmacht, hängt vom Bruttolohn ab — je höher das Gehalt, desto größer der Unterschied zu Klasse 4.

Gibt es einen Steuerfreibetrag in Steuerklasse 5?

Diese Frage taucht oft auf, weil Klasse 5 auf dem Gehaltszettel so teuer wirkt. Einen Grundfreibetrag gibt es in Klasse 5 nicht; er ist vollständig in Klasse 3 gewandert. Pauschbeträge wie der Arbeitnehmer-Pauschbetrag werden aber auch in Klasse 5 berücksichtigt. Arbeitet nur einer von beiden, spielt das ohnehin keine Rolle. Ohne Lohn wird auch keine Lohnsteuer abgezogen.

Monatliches Netto und Jahressteuer sind zwei verschiedene Dinge

Die Lohnsteuer, die der Arbeitgeber jeden Monat einbehält, ist nur eine Vorauszahlung. Die endgültige Steuer ergibt sich erst aus der Einkommensteuererklärung. Bei der Zusammenveranlagung wird das gemeinsame zu versteuernde Einkommen halbiert, die Steuer auf diese Hälfte berechnet und dann verdoppelt. Das ist das Ehegattensplitting. Es gilt unabhängig davon, welche Steuerklassen Sie unterm Jahr hatten.

Nüchtern betrachtet entscheidet die Steuerklasse also nicht darüber, wie viel Steuer Sie zahlen, sondern wann. In Klasse 4/4 bekommt der Alleinverdiener den Splittingvorteil erst mit dem Steuerbescheid erstattet. In Klasse 3/5 hat er ihn jeden Monat auf dem Konto. Bei einem Haushalt mit einem einzigen Gehalt sind die Fixkosten dieselben wie vorher — da ist mehr Netto im laufenden Monat meist die bessere Wahl.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Lohnersatzleistungen

Elterngeld, Arbeitslosengeld und Krankengeld richten sich nach dem Nettoeinkommen. Wer in Klasse 3 ein höheres Netto hat, bekommt im Ernstfall auch höhere Leistungen. Umgekehrt gilt: Plant der Partner in Klasse 5, bald wieder zu arbeiten und dann in Elternzeit zu gehen, drückt Klasse 5 sein Elterngeld. Beim Elterngeld zählt ein Wechsel nach den Regeln des Elterngeldgesetzes nur, wenn er früh genug vor dem Mutterschutz erfolgt — mindestens sieben Monate vorher. Lassen Sie sich diesen Punkt im Zweifel von der Elterngeldstelle bestätigen.

Alternative Steuerklasse 4: Wann lohnt sich das Faktorverfahren?

Viele suchen nach einer Zahl: Wie viel Prozent Steuern zahlt man in Steuerklasse 4? Ehrlich gesagt gibt es keinen festen Prozentsatz. Der Tarif ist progressiv. Oberhalb des Grundfreibetrags beginnt der Steuersatz bei 14 Prozent und steigt mit dem Einkommen bis zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent, für sehr hohe Einkommen auf 45 Prozent. Der Durchschnittssteuersatz, also der Anteil der Steuer am gesamten Einkommen, liegt immer deutlich unter dem Satz auf den letzten verdienten Euro.

Klasse 4 lohnt sich vor allem, wenn beide Partner ähnlich viel verdienen. Dann zahlt jeder ungefähr so viel Lohnsteuer, wie am Ende auch tatsächlich anfällt. Arbeitet nur einer, ist 4/4 nüchtern betrachtet ein zinsloser Kredit an den Staat, der erst mit der Steuererklärung zurückkommt. Manche Paare wählen das bewusst, weil sie die Erstattung als eine Art Sparbetrag sehen. Das kann man so machen. Ein Tagesgeldkonto, auf das man monatlich den Unterschied überweist, leistet dasselbe und bringt Zinsen.

Das Faktorverfahren ist eine Variante von 4/4. Das Finanzamt berechnet einen Faktor kleiner als 1, mit dem die Lohnsteuer beider Partner so verringert wird, dass sie dem voraussichtlichen Splittingergebnis entspricht. Der Vorteil wird also gerecht auf beide verteilt. Für zwei Einkommen ist das oft die genaueste Lösung. Bei nur einem Gehalt bringt es gegenüber Klasse 3 wenig, weil der Splittingvorteil ohnehin bei einer Person landet.

Wenn Sie Ihre Steuerklasse nachrechnen möchten, nutzen Sie den Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums. Er ist kostenlos und zeigt die Lohnsteuer je Steuerklasse für Ihren Bruttolohn. Gerade wenn steigende Preise das Haushaltsbudget belasten, lohnt sich dieser Blick — wie Inflation und Wirtschaftslage im Portemonnaie ankommen, habe ich im Beitrag über Sanktionen, Inflation und die Folgen für uns beschrieben.

Zukunft der Steuerklassen: Abschaffung von Klasse 3 und 5

Seit Jahren wird diskutiert, die Steuerklassen 3 und 5 abzuschaffen. Die Kritik: Klasse 5 lässt das Einkommen des geringer verdienenden Partners — oft der Frau — auf dem Gehaltszettel unattraktiv klein aussehen und kann die Entscheidung, mehr zu arbeiten, verzerren. Der Vorschlag lautet, alle Ehepaare in Klasse 4 mit Faktorverfahren zu überführen.

Ab wann gibt es Steuerklasse 3 und 5 nicht mehr? Ein Gesetzentwurf der früheren Bundesregierung nannte 2030 als Starttermin, diese Regelung wurde damals aber nicht verabschiedet. Ein verbindliches Datum steht nach meinem Kenntnisstand derzeit nicht im Gesetz. Prüfen Sie den aktuellen Stand beim Bundesfinanzministerium, bevor Sie langfristig planen.

Die Steuerklasse entscheidet nicht, wie viel Steuer ein Ehepaar zahlt, sondern wann es sie zahlt.

Was eine solche Reform nicht ändern würde, ist das Ehegattensplitting selbst. Die Jahressteuer bliebe dieselbe; nur die Verteilung der monatlichen Vorauszahlungen würde sich verschieben. Aus heute sechs würden fünf Lohnsteuerklassen. Für Alleinverdiener hieße das: Der Splittingvorteil käme per Faktor ebenfalls schon monatlich an, nur auf einem anderen Rechenweg als heute.

Besondere Lebenslagen: Steuerklassen bei Kind oder Trennung

Nicht jede Familie passt in das Schema „verheiratet, einer verdient“. Zwei Fälle kommen besonders häufig vor.

Nicht verheiratet, mit Kind: Unverheiratete Eltern bleiben steuerlich Einzelpersonen. Wer mit Kind allein lebt, bekommt auf Antrag Steuerklasse 2 mit dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Leben beide Eltern ohne Trauschein zusammen, sind in der Regel beide in Klasse 1, denn der Entlastungsbetrag setzt voraus, dass kein weiterer Erwachsener im Haushalt wohnt. Den Splittingtarif gibt es für unverheiratete Paare nicht.

Trennung und Scheidung: Welche Steuerklasse gilt, wenn man geschieden ist? Im Jahr der Trennung dürfen Ehepaare ihre bisherige Kombination noch behalten und gemeinsam veranlagt werden. Ab dem 1. Januar des Folgejahres nach der dauerhaften Trennung gilt Klasse 1 — oder Klasse 2, wenn ein Kind im eigenen Haushalt lebt. Die Scheidung selbst ist für die Steuerklasse also nicht der entscheidende Zeitpunkt, sondern die Trennung. Teilen Sie sie dem Finanzamt mit, sonst drohen Nachzahlungen.

Bei einer Scheidung sind meist auch Unterhalt, Vermögen und gemeinsame Verträge zu klären. Für diese Fragen im Einzelfall sind eine Steuerberatung oder ein Lohnsteuerhilfeverein die richtige Adresse.

So wechseln Sie die Steuerklasse: Schritt für Schritt

Der Wechsel ist weniger Aufwand, als viele erwarten. Seit 2020 können Ehepaare ihre Steuerklassen mehrmals im Jahr ändern lassen.

  1. Rechnen Sie mit dem Rechner des Bundesfinanzministeriums das Netto in 3/5 und 4/4 für Ihren Bruttolohn durch.
  2. Stellen Sie den „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten“ — online über ELSTER oder auf Papier beim Finanzamt. Beide Partner unterschreiben.
  3. Das Finanzamt übermittelt die neue Klasse elektronisch an den Arbeitgeber. Wirksam wird sie ab dem Folgemonat.
  4. Kontrollieren Sie die nächste Gehaltsabrechnung und heben Sie den Bescheid bei Ihren Belegen auf.

Wer Formulare gern vor sich herschiebt, kann den Antrag in einem einzigen konzentrierten Block erledigen. Mir hilft dabei die Pomodoro-Technik mit 25-Minuten-Blöcken: Ein Block reicht für Rechnung und Antrag.

Denken Sie bei 3/5 außerdem an die Steuererklärung. Beziehen beide Partner Arbeitslohn und einer ist in Klasse 5, ist sie Pflicht. Bei nur einem Verdiener in Klasse 3 lohnt sie sich trotzdem oft, etwa wegen Werbungskosten oder Handwerkerrechnungen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Steuerklasse ist nach der Heirat sinnvoll, wenn nur einer arbeitet?
Meist die Kombination 3 und 5: Der Verdiener kommt in Klasse 3 und hat durch den doppelten Grundfreibetrag jeden Monat das höchste Netto. Der Partner ohne Lohn in Klasse 5 ist davon nicht betroffen. Die Jahressteuer bleibt durch das Ehegattensplitting dieselbe wie bei 4/4.
Wann werden die Steuerklassen 3 und 5 abgeschafft?
Eine Abschaffung zugunsten von Klasse 4 mit Faktorverfahren wird seit Jahren diskutiert. Ein früherer Gesetzentwurf nannte 2030, wurde in diesem Punkt aber nicht verabschiedet. Ein verbindlicher Termin steht derzeit nicht im Gesetz; den aktuellen Stand nennt das Bundesfinanzministerium.
Wie viele Lohnsteuerklassen gibt es in Deutschland?
Es gibt sechs Lohnsteuerklassen: 1 für Ledige, 2 für Alleinerziehende, 3, 4 und 5 für Verheiratete sowie 6 für Zweit- und Nebenjobs.
Welche Steuerklasse hat man nach einer Scheidung?
Entscheidend ist die dauerhafte Trennung, nicht die Scheidung. Im Trennungsjahr bleibt die bisherige Kombination möglich, ab dem 1. Januar des Folgejahres gilt Klasse 1 oder mit Kind im eigenen Haushalt Klasse 2. Die Trennung sollte dem Finanzamt mitgeteilt werden.
Wie viel Prozent Steuern zahlt man in Steuerklasse 4?
Einen festen Prozentsatz gibt es nicht. Der Tarif ist progressiv: Oberhalb des Grundfreibetrags beginnt er bei 14 Prozent und steigt bis zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent, bei sehr hohen Einkommen 45 Prozent. Klasse 4 entspricht beim Lohnsteuerabzug Klasse 1.
Gibt es einen Steuerfreibetrag in Steuerklasse 5?
Einen Grundfreibetrag gibt es in Klasse 5 nicht, er wird vollständig in Klasse 3 berücksichtigt. Pauschbeträge wie der Arbeitnehmer-Pauschbetrag gelten aber auch in Klasse 5.
Nachgerechnet und geschrieben von Jana KesslerInflation, Gehalt & Kaufentscheidungen