Wirtschaftnachgerechnet
Wie viel Netto bei 3900 Euro Brutto in Steuerklasse 1 übrig bleibt
3900 Euro brutto in Steuerklasse 1: Ich rechne Lohnsteuer und Sozialabgaben für 2026 nach und zeige, welche Stellschrauben das Netto verändern.

Wer zum ersten Mal ein Angebot über 3.900 Euro im Monat auf dem Tisch hat, fragt sich zuerst: Wie viel Netto bei 3900 brutto in Steuerklasse 1 bleibt davon wirklich übrig? Ich habe die Abzüge für 2026 Posten für Posten nachgerechnet. Am Ende wissen Sie, wohin gut ein Drittel Ihres Bruttolohns fließt und an welchen Stellschrauben Sie selbst drehen können.
Eine Bekannte hat mich vor ein paar Wochen gefragt, ob sich ihr Jobwechsel lohnt. Bisher verdiente sie 3.500 Euro, das neue Angebot lag bei 3.900 Euro brutto. Sie ist ledig, hat keine Kinder und ist nicht in der Kirche — ein klassischer Fall für Steuerklasse 1. Ihre erste Schätzung war: 400 Euro mehr, also gut 250 Euro mehr Netto. Ob das stimmt, zeigt die Rechnung unten. Vorher lohnt sich ein Blick darauf, woraus die Abzüge überhaupt bestehen.
Wie viel Netto bei 3900 brutto in Steuerklasse 1: Die wichtigsten Faktoren
Vom Bruttolohn gehen zwei Blöcke ab: Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Beide werden vom Arbeitgeber direkt einbehalten und abgeführt. Was auf Ihrem Konto ankommt, ist das Netto.
Zu den Steuern zählen die Lohnsteuer, unter Umständen der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer, wenn Sie Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft sind. Die Sozialversicherung besteht aus vier Teilen: Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Beiträge teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Grundsatz hälftig.
Wie hoch das Netto am Ende ausfällt, hängt von einer Handvoll persönlicher Faktoren ab:
- Steuerklasse: Klasse 1 gilt für Ledige, Geschiedene, dauernd getrennt Lebende und Verwitwete ab dem zweiten Jahr nach dem Tod des Partners.
- Kinder: Sie senken den Beitrag zur Pflegeversicherung, nicht aber die monatliche Lohnsteuer in Klasse 1.
- Kirchenmitgliedschaft: Die Kirchensteuer beträgt 8 Prozent der Lohnsteuer in Bayern und Baden-Württemberg, in allen anderen Ländern 9 Prozent.
- Krankenkasse: Jede Kasse erhebt einen eigenen Zusatzbeitrag, und der wirkt sich direkt auf das Netto aus.
Nüchtern betrachtet ist die Steuerklasse dabei der Faktor mit dem größten Hebel. Kinder, Kirche und Krankenkasse verschieben das Ergebnis dagegen meist nur um einige Dutzend Euro im Monat.
Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag in Steuerklasse 1
Die Lohnsteuer ist keine eigene Steuer, sondern eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Der Arbeitgeber berechnet sie so, als würden Sie das Monatsgehalt das ganze Jahr über verdienen. Bei 3.900 Euro sind das 46.800 Euro im Jahr.
Von diesem Betrag zieht das Lohnsteuerverfahren einige Pauschalen ab, bevor überhaupt Steuer anfällt. Dazu gehören der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro für Werbungskosten, der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro und die Vorsorgepauschale. Letztere bildet Ihre Beiträge zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ab. In meiner Rechnung macht sie gut 9.400 Euro aus. Übrig bleibt ein zu versteuerndes Einkommen von rund 36.100 Euro.
Auf diesen Betrag wendet das Finanzamt den Einkommensteuertarif an. Der Grundfreibetrag — also der Teil des Einkommens, auf den keine Steuer fällt — liegt 2026 bei 12.348 Euro. Danach steigt der Steuersatz schrittweise an. Für rund 36.100 Euro ergibt der Tarif 2026 eine Jahressteuer von etwa 6.000 Euro. Pro Monat sind das rund 500 Euro Lohnsteuer.
Der Solidaritätszuschlag fällt bei diesem Gehalt nicht an. Er wird erst fällig, wenn die jährliche Lohnsteuer eine Freigrenze von 20.350 Euro übersteigt. Davon ist man bei 3.900 Euro brutto weit entfernt.
In Steuerklasse 1 gibt es wenig Gestaltungsspielraum, weil sie keine Partnerin und keinen Partner berücksichtigt. Das ändert sich mit einer Heirat. Wie sich dann die Wahl zwischen den Klassen auswirkt, habe ich im Beitrag welche Steuerklasse nach der Heirat sinnvoll ist durchgerechnet.
Sozialversicherungsabzüge: Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung
Der größere Block auf der Gehaltsabrechnung ist ehrlich gesagt nicht die Steuer, sondern die Sozialversicherung. Sie wird als fester Prozentsatz vom Bruttolohn berechnet, und zwar bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt 2026 in der Kranken- und Pflegeversicherung bei 5.812,50 Euro im Monat, in der Rentenversicherung bei 8.450 Euro. Mit 3.900 Euro liegen Sie deutlich darunter, alle Beiträge fallen also auf das volle Gehalt an.
Rente und Arbeitslosigkeit
Der Beitrag zur Rentenversicherung beträgt 18,6 Prozent, Ihr Anteil ist die Hälfte: 9,3 Prozent oder 362,70 Euro. Zur Arbeitslosenversicherung zahlen Sie 1,3 Prozent, das sind 50,70 Euro. Beide Sätze sind bundesweit einheitlich und hängen nicht von Ihrer persönlichen Situation ab.
Kranken- und Pflegeversicherung
In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt 2026 bei 2,9 Prozent. Ihr Anteil beträgt damit 8,75 Prozent oder 341,25 Euro. Bei einer günstigeren Kasse sinkt der Betrag, bei einer teureren steigt er.
Die Pflegeversicherung kostet insgesamt 3,6 Prozent. Eltern zahlen davon 1,8 Prozent, also 70,20 Euro. Kinderlose ab 23 Jahren tragen einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten und zahlen 2,4 Prozent, das sind 93,60 Euro. Ab dem zweiten Kind unter 25 Jahren sinkt der Beitrag zudem um 0,25 Prozentpunkte je Kind, höchstens bis zum fünften Kind. Wer in Sachsen arbeitet, zahlt wegen einer Sonderregel etwas mehr.
Unterm Strich gehen bei Kinderlosen 848,25 Euro an die Sozialversicherung — mehr als die Lohnsteuer.
Netto-Ergebnis bei 3.900 Euro Einkommen
Jetzt lassen sich alle Posten zusammensetzen. Ich rechne den Fall meiner Bekannten: Steuerklasse 1, kinderlos, keine Kirchensteuer, Krankenkasse mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag.
Von 3.900 Euro bleiben also rund 2.552 Euro Netto. Insgesamt gehen etwa 1.348 Euro ab, das sind knapp 35 Prozent des Bruttolohns. Aufs Jahr gerechnet stehen rund 30.600 Euro Netto auf dem Konto.
Die Varianten verschieben das Ergebnis nur moderat:
| Situation | Netto pro Monat (gerundet) |
|---|---|
| Kinderlos, ohne Kirchensteuer | 2.552 € |
| Kinderlos, mit 9 % Kirchensteuer | 2.507 € |
| Ein Kind, ohne Kirchensteuer | 2.568 € |
Und die Frage meiner Bekannten? Bei 3.500 Euro brutto lag ihr Netto nach derselben Methode bei gut 2.330 Euro. Von 400 Euro Gehaltsplus kommen also knapp 220 Euro an — nicht 250, aber auch nicht wenig. Der Grund: Jeder zusätzliche Euro wird mit rund 30 Prozent Lohnsteuer und knapp 22 Prozent Sozialabgaben belastet.
Optimierungspotenziale: Wo Sie nachrechnen sollten
In Steuerklasse 1 lässt sich das monatliche Netto nur an wenigen Stellen beeinflussen. Drei davon halte ich für relevant.
Die Krankenkasse. Jeder halbe Prozentpunkt Zusatzbeitrag macht bei 3.900 Euro rund 9,75 Euro im Monat aus, also 117 Euro im Jahr. Ein Kassenwechsel ist nach zwölf Monaten Mitgliedschaft möglich, bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrags sofort mit Sonderkündigungsrecht. Vergleichen Sie dabei nicht nur den Beitrag, sondern auch Leistungen, die Sie tatsächlich nutzen.
Die betriebliche Altersvorsorge. Wandeln Sie Teile des Bruttolohns in eine Betriebsrente um, bleiben bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung sozialabgabenfrei und bis zu 8 Prozent steuerfrei. Bei 100 Euro Umwandlung sparen Sie in meinem Beispiel etwa 30 Euro Lohnsteuer und knapp 22 Euro Sozialabgaben. Netto fehlen Ihnen also nur rund 48 Euro im Monat. Spart der Arbeitgeber dabei Sozialabgaben, muss er in der Regel 15 Prozent zuschießen. Der Haken: Niedrigere Rentenbeiträge bedeuten eine etwas niedrigere gesetzliche Rente, und die Betriebsrente ist später steuer- und beitragspflichtig.
Die Steuererklärung. Die Lohnsteuer ist nur eine Vorauszahlung. Liegen Ihre Werbungskosten über 1.230 Euro — etwa durch einen langen Arbeitsweg, Homeoffice-Tage oder Fortbildungen —, erstattet das Finanzamt einen Teil zurück. Das erhöht nicht das Monatsnetto, aber das Jahresnetto.
Was das Netto am Ende wert ist, hängt auch von den Preisen ab. Wie äußere Faktoren die Inflation treiben, habe ich am Beispiel der Folgen der Russland-Sanktionen für unsere Preise aufgeschrieben.
Steuerklasse 1 im Vergleich zu den Klassen 2, 3 und 4
Der Vergleich mit anderen Steuerklassen zeigt, wie stark die Einstufung das Monatsnetto verschiebt.
Steuerklasse 2 erhalten Alleinerziehende. Sie berücksichtigt den Entlastungsbetrag von 4.260 Euro im Jahr für das erste Kind. Bei 3.900 Euro brutto sinkt die Lohnsteuer dadurch um rund 100 Euro im Monat.
Steuerklasse 4 ist für Verheiratete gedacht, die ähnlich viel verdienen. Die Lohnsteuer entspricht dort exakt der in Klasse 1. Das Netto ist also gleich, abgesehen von Kinder- und Kirchenfragen.
Steuerklasse 3 bekommt, wer verheiratet ist und deutlich mehr verdient als der Partner, der dann Klasse 5 hat. Nach meiner Rechnung fällt die Lohnsteuer bei 3.900 Euro auf rund 180 Euro im Monat. Das Netto steigt auf etwa 2.870 Euro, gut 300 Euro mehr als in Klasse 1. Dafür zahlt der Partner in Klasse 5 deutlich mehr Lohnsteuer. Abgerechnet wird ohnehin mit der gemeinsamen Steuererklärung, sodass sich die Vorteile über das Jahr teilweise ausgleichen.
Für den Einzelfall, etwa bei Nebeneinkünften, Abfindungen oder Elterngeld, lohnt sich ein Gespräch mit einem Lohnsteuerhilfeverein oder einer Steuerberatung.
Häufige Fragen (FAQ)
- Wie viel Netto bleibt von 3900 Euro Brutto in Steuerklasse 1?
- Nach meiner Rechnung für 2026 bleiben kinderlos und ohne Kirchensteuer rund 2.552 Euro Netto im Monat. Davon abgezogen werden etwa 500 Euro Lohnsteuer und 848,25 Euro Sozialversicherung bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag der Krankenkasse.
- Wie hoch sind die Rentenversicherungsbeiträge bei 3900 Euro Brutto?
- Der Beitragssatz beträgt 18,6 Prozent, davon trägt der Arbeitnehmer die Hälfte. Bei 3.900 Euro brutto sind das 362,70 Euro im Monat, den gleichen Betrag zahlt der Arbeitgeber.
- Welchen Einfluss hat die Krankenkasse auf das Netto-Gehalt?
- Über den Zusatzbeitrag. Jeder halbe Prozentpunkt Unterschied macht bei 3.900 Euro brutto rund 9,75 Euro Netto im Monat aus, also etwa 117 Euro im Jahr. Ein Wechsel ist nach zwölf Monaten oder bei einer Beitragserhöhung möglich.
- Lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge bei 3900 Euro Brutto?
- Rechnerisch oft ja: Bei 100 Euro Entgeltumwandlung sinkt das Netto nur um rund 48 Euro, weil Lohnsteuer und Sozialabgaben entfallen, und der Arbeitgeber muss in der Regel 15 Prozent zuschießen. Dafür fällt die gesetzliche Rente etwas niedriger aus, und die Betriebsrente ist später steuer- und beitragspflichtig.
- Wie verändert sich das Netto bei 3900 Euro in Steuerklasse 3 oder 4?
- In Steuerklasse 4 ist die Lohnsteuer identisch mit Klasse 1, das Netto bleibt gleich. In Steuerklasse 3 sinkt die Lohnsteuer auf rund 180 Euro, das Netto steigt auf etwa 2.870 Euro. Dafür zahlt der Partner in Klasse 5 mehr, ausgeglichen wird über die gemeinsame Steuererklärung.